Strongmanrun 2011 oder: welchen Einfluss hat die Herkunft auf die Platzierung?

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2011-04-17-strongmanrunSonntagvormittag, 17.04. am Nürburgring: Claudia, Francesco, Marco, Viktor und Sven blicken leicht enttäuscht in den Himmel – wo sind die versprochenen 19 Grad und die Sonne? Es hat ungefähr 9-10 Grad und ist bewölkt, ein kühler Wind weht.

Vor uns liegt ein 2 Runden-Parcours à 9,8 km mit jeweils 14 Hindernissen: also 19,6 km Strecke mit insgesamt 28 Barrieren… und vielen, vielen Staus, was wir zum jetzigen Zeitpunkt zum Glück noch nicht wissen.

Nichts desto trotz bereitet sich das 4-köpfige Team aus Freiburg frohen Mutes im ring-boulevard des Nürburgrings vor. Mit badischer Gemütlichkeit werden Tapestreifen auf die empfindlichen Stellen geklebt, das Gardeobesäckchen geschnürt, die Startnummer angebracht und alles eben noch einmal kontrolliert.

15 Minuten vor dem Start macht sich das Team auf dem Weg zum Startblock, vielleicht etwas knapp dran. Das mittlere Drittel wäre so unsere gewünschte Startaufstellung, damit wir in dem Pulk von insgesamt 8.890 Läufern, die an den Start gehen, gut vorankommen. Aber unsere badische Lässigkeit hat uns da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Als wir nach einem kleinen Fußmarsch am Starterfeld ankommen müssen wir erkennen, dass wir so ziemlich ganz am Schluss stehen… und mindestens 7.500 Läufer vor uns haben.

Das macht sich dann auch gleich am ersten Hindernis bemerkbar, wo wir geschlagene 20 Minuten stehen müssen, bis wir es erklimmen können. Und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und offenbart die unterschiedlichsten Laufcharaktere innerhalb unseres Teams, mit deren Zuordnung und Herkunft wir nach wie vor schwer beschäftigt sind. Liegt es tatsächlich an der jeweiligen Herkunft der einzelnen Läufer?

Francesco bemerkt beim Anstehen am ersten Hindernis eine nicht gekannte Art von Platzangst, die ihm nach Überwindung der Stroh- und Reifenbarrieren zu einem urplötzlichen Spurt antreibt, nur um der Menschenmasse zu entkommen, bzw. diese zu überholen. Vielleicht lag es auch an seiner italienischen und charmanten Art an dem ein oder anderen Hindernis schneller voran zu kommen und die Warteschlangen hinter sich zu lassen? :-)

Marco, der versucht Francescos Sprint eine Zeit lang zu folgen und somit ebenfalls eine ganze Horde an Menschen überholt, entwickelt sich zu einer kaiserstühlerischen Bergziege, die ihre Qualitäten am Berg ausspielt und etliche Mitläufer hinter sich lässt. Wissend, dass Sven ihm im Rücken liegt und er auf jeden Fall seinen Vorsprung beibehalten will, legt er eine ordentliche zweite Runde hin. Lag es vielleicht auch an der ihringer Bauernschläue, sich an strategisch wichtigen Punkten durch einen gekonnten Sprint in eine bessere Warteposition für das nächste Hindernis zu bringen?

Sven, der nachdem er die erste Barriere überquert und trollig nach seinen Teamkameraden –die er hinter oder neben sich wähnte- Ausschau hält und zu seinem Entsetzen feststellen muss, dass sie sämtlich an ihm vorbei gezogen, bzw. in Francescos Fall weit voraus, sind, muss die Beine in die Hand nehmen und sich für kurze Zeit zu einer Antilope mausern um Viktor überholen und Marko einholen zu können… an Francesco ist schon gar nicht mehr zu denken. Lag es bei Sven vielleicht an den „typischen“ deutschen Tugenden wie Ordnung und Zuverlässigkeit die ihn an verschiedenen Hindernissen wohl länger als nötig aufhielten? Denn wo eine Schlange an Menschen war, wurde sich ordentlich hinten eingereiht und auf gar keinen Fall vorgemogelt und wenn er dann schon einmal am Hindernis war,  musste erst einmal Mitläufern geholfen werden, auch so lange, bis sogar von anderen Läufern der Hinweis kam auch einmal an das eigene Vorankommen zu denken.

Viktor, dessen Durchhaltevermögen von den anderen drei Läufern hin und wieder in Frage gestellt wurde, belehrt alle eines besseren. Der von Vodka gestählte Körper trotzt jedem Hindernis. Sven blieb es bis zum Ende des Laufs ein Rätsel, wie Viktor es zwischen Hindernis 7 und 9 schaffte ihn zu überholen und Sven erst bei Hindernis 10 es wieder schaffte, dessen Vorsprung einzuholen. Es lag wohl daran, dass Viktor mit der Gemütlichkeit, aber mit dem stetig gleichbleibenden und unbeirrbar druckvollen Tempo der transsibirischen Eisenbahn sich seinen Weg durch den Parcours bahnte. Lässig genug um Zeit zu finden um für unsere Fotografin Claudia zu posen.

Das 29. Hindernis offenbarte sich uns, als wir zum Duschen gingen: die Massenduschen waren eiskalt und es brauchte ein wenig Überwindung, sich statt der erhofften warmen Brause unter das eiskalte Wasser zu stellen. Hier demonstrierte uns Francesco, wie sich mit italienischem Charme das Anstehen vermeiden ließ. Während Marco und Sven noch in der Schlange anstanden kam Francesco, der später zum Duschen ging, frisch geduscht vorbei, grinste und sagte: so macht man das! Auf Nachfrage bei der Heimfahrt erklärte Francesco uns: unter der Dusche war es ein Geben und ein Nehmen und nachdem ich ein paar Männer abgespritzt hatte, durfte ich ran. :-) (Er meinte damit den Gartenschlauch, der als Duschbrause genutzt wurde und vom Zeltdach hing)

Jungs, wir haben eine fantastische Zeit hingelegt, wenn man beachtet von wo aus wir gestartet und welche Zweitrundenzeit wir gelaufen sind!! Einfach super!

Die Zeiten im Überblick:

  • Francesco: 1. Runde 1:33:11, 2. Runde 1:07:47, gesamt 2 Std. 40 Min. 58 Sek.
  • Marco: 1. Runde 1:45:31, 2. Runde 1:07:35, gesamt 2 Std. 53 Min. 06 Sek.
  • Sven: 1. Runde 2:01:14, 2. Runde 1:08:10, gesamt 3 Std 09 Min. 24 Sek.
  • Viktor: 1. Runde 2:03:27, 2. Runde 1:22:10 gesamt 3 Std. 25 Min. 37 Sek.

Und hätte unser Francesco sich anstatt mit „Fightclub“ mit „Fightclub Freiburg“ (wie die restlichen Drei) angemeldet, wären wir in der Teamwertung auf Platz 282 anstatt auf 367 von 483 Teams gelandet!!! ;-)